Buchstabieren für Fortgeschrittene

your_herGrundsätzlich ist das Japanisch eine sehr logische Sprache. Man nehme ein Subjekt, ein Objekt und ein Verb und fertig ist der Satz. Ein bisschen verkompliziert wird es durch die Tatsache, dass sie eigentlich drei verschiedene Schriften gebrauchen, um zu schreiben.

Zum einen gibt es Kanji, dass sind Schriftzeichen, die ursprünglich aus dem chinesischen kommen, aber für den japanischen Gebrauch angepasst wurden. Wenn wir nun diese Kanji lernen müssen, müssen wir uns auch immer einprägen, wie man es nun genau liest. Denn grundsätzlich gibt es die chinesische und daneben die japanische Lesart. kanjiDie Bedeutung bleibt dieselbe, man spricht es nur anders aus. Ich persönlich entscheide mich meistens für die falsche Lesart... Und bei einigen ganz speziellen Kanji gibt es noch mehr Lesarten. Ich musste mich diese Wochen mit einem auseinandersetzen, welches man tatsächlich auf 5 verschiedene Arten lesen kann. Gott sei Dank sind solche Lesemonster selten!

 

hiraganaDamit, wie ich es versprach, logische Grammatik möglich wird, kennen die Japaner Hiragana. Mit diesen 52 Zeichen kann man grundsätzlich alles schreiben, auch die Kanji. Aber da es keine Leerzeichen gibt, wird das Lesen dann sehr mühsam. Hiragana kommen für kurze Wörter, Partikel oder zum Beispiel für die Verbkonjugation zum Einsatz. Hiragana sind also gewissermassen die Zeichen zwischen den Kanji.

katakanaDamit man schön unterscheiden kann, woher ein Wort kommt, gibt es neben Hiragana auch noch Katakana. Dieselben 52 Silben, einfach mit einer anderen, eckigeren Schrift geschrieben. Katakana wird vorzüglich für fremdsprachige Wörter, die ihren Weg in die japanische Sprache gefunden haben, gebraucht. Und hier kommt der Hacken: Das Wort wird so geschrieben, wie es tönt! So wird zum Beispiel aus der door (Türe) in Katakana eine doa. So weit, so gut. Man versteht sich und kann sich verständigen. Doch es gibt immer wieder seltsame Stilblüten: So kommt der Zug zum Beispiel auf dem hoomu an. Es gebrauchte viel Phantasie und Hilfe vom meinem Lehrer, bis ich verstand, dass die Züge eigentlich auf der plattform ankommen. Aber weil das zu lange ist, ist es nur noch eine form. Und wenn man die amerikanische Aussprache nun noch in Katakana schreibt, wird daraus halt eine hoomu.

Aber wehe, man möchte für uns Ausländer ein Wort in Romaji, d.h. unserem Alphabet schreiben. Soviel Zuvorkommen, so lieb es auch gemeint ist, für zu den wunderbarsten Sprachkreationen - welche man oft erst versteht, wenn man das Wort laut liest. Ein gutes Beispiel ist das erste Bild dieses Artikels: Your her. Korrekterweise sollte man das mit "Du, sie" übersetzen. Aber eigentlich gemeint ist You're here, "Sie sind hier". Aber wenn man das laut spricht, wird halt your her draus...

Aber den Vogel definitiv abgeschossen haben die lieben Verantwortlichen eines relativ neu eröffneten Parkes hier in Sapporo. Aus Rücksicht auf die Touristen haben sie sich entschieden, auf ihre Infotafel auch die englischen Übersetzungen zu schreiben. Da es sich um wichtige Verhaltensregeln handelt, haben sie es vermutlich absichtlich rätselhaft gestaltet, damit man es wirklich liest - wir brauchten jeweils einige Zeit, bis wir verstanden, was sie uns mitteilen wollten:

gotenkoenIch versuche mal, möglichst akkurat zu ins Deutsche zu überstetzen - auch wenn ich den Sinn oft nicht ganz verstehe. Man soll sich also folgendes notieren:

  • Trees and flowers, insects and plants to cherish them (Bäume und Blumen, Insekten und Pflanzen, um sie zu geniessen): Hier fehlt irgendwie ein Verb wie sammeln oder so?
  • To get past the fence without the permission from the tree (Über den Zaun zu steigen ohne Erlaubnis vom Baum): Leider haben wir nicht herausgefunden, welchen Baum wir fragen müssen?
  • Garbage go cooperation. Cigarette littering is prohibited by the ordinance (Abfall geh zur Kooperation. Zigaretten wegwerfen ist verboten durch die Satzung): Auch Abfall soll gemeinschaftlich gesammelt werden?
  • Fire can not be used without permission (Feuer kann ohne Erlaubnis nicht benutzt werden): Alles klar, das verstehe ich.
  • BAKUCHIKU and rockets and fireworks dangerous fireworks from the tree (BAKICHIKU und Raketen und Feuerwerk Gefährliches Feuerwerk vom Baum): Schon wieder dieser Baum? und BAKICHIKU gibt es im Englischen gar nicht.
  • Do not permit such as motorcycle you must not traffic (Erlaube keine wie Motorräder. Du must nicht Verkehr): Hier stösst mein Englisch an seine Grenzen... Ich darf nicht erlauben?
  • Golf and other people injured in the tree is a dangerous game (Golf und andere Personen verletzt im Baum ist ein gefährliches Spiel): Der arme Golf und andere Person die da verletzt in diesem heimtückischen Baum spielen?
  • Midnight, or early in the morning on the loose out aloud because it is annoying tree (Mitternacht oder früh am Morgen ausgelassen laut, weil es lästig ist für den Baum): Dieser Baum, der muss ordentlich leiden...
  • I do not permit the sale of goods such as fund-raising and can not act (Ich erlaube den Verkauf von Gütern wie Geld sammeln und nicht handeln können): Obwohl ich da einigermassen den Sinn verstehe, bleibt mir die genaue Absicht des nicht handeln können verschlossen.
  • An owner will take the faces (!) of the dog home with an owner by all means (Ein Besitzer wird unbedingt die Gesichter eines Hundes mit dem Besitzer nach Hause nehmen): Als würde ich das Gesicht meines Hundes im Park lassen wollen. Hier hat sich die Rechtschreibung eingemischt, gemeint waren wohl faeces (Fäkalien)...

Zur Ehrbewahrung unserer geliebten Japaner muss man noch sagen, dass sich der japanische Text, den ich heute meinem Lehrer abgegeben habe, wahrscheinlich viel schlimmer liest... Aber schlussendlich soll der auch nicht auf eine Parkinfo-Wand gedruckt werden, oder?!

Welches ist eure Lieblingsregel auf diesem Plakat? Habt ihr auch sonst schon solche Ihrtümmer entdeckt? Schreibt uns eure Perlen!

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