Erdbeben - ein halbes Jahr später

Während unserer grossen Reise durch Honshu hatten wir auch Gelegenheit, im Katastrophengebiet einen erneuten Augenschein zu nehmen (Bericht vom Hilfseinsatz). Wir haben einen grossen Teil der Küste von Iwate, der nördlichsten der stark betroffenen Regionen, gesehen. Und ich muss sagen, dass ich schlussendlich froh war, von der Küste wegzukommen. Denn während Stunden bietet sich immer wieder dasselbe Bild: Zerstörte Siedlungen, von denen nur noch die Fundamente übrig sind, riesige Berge mit Schutt, den sie am sortieren sind und immer wieder die standartisierten Baracken-Siedlungen, in denen die Menschen nun wohnen.

Ich habe in diesem Besuch versucht, einige Aufnahmen zu machen, die einen Vergleich ermöglichen, was sie in den 6 Monaten getan hat. Zum Teil ist viel geschehen - zum Teil aber trifft man immer noch dasselbe Bild an.

Kamaishi

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Kamaishi (Karte) war die erste Stadt, in die wir im März im Einsatz waren. Als wir ankamen, waren sie gerade dabei, die Autos von der Strasse zu räumen und die Menschen konnten wieder zu ihren Häusern gelangen. Die Strassen waren voll mit Menschen, überall wurde aufgeräumt. Dieses Mal waren die Strassen in diesem Stadtteil leer, es gab kaum Menschen unterwegs. Das Nötigste ist weggeräumt, aber noch hat die Stadtverwaltung nicht entschieden, ob sie wieder aufbauen möchte - oder nicht. Dementsprechend leben nur noch sehr wenige Menschen hier und auch die Geschäfte sind geräumt.

Otsuchi

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Otsuchi (Karte) gehört zu den Orten, die praktisch ausgelöscht wurden. Angelegt neben neben einem Flussdelta und ohne natürlichen Schutz, hatte die Stadt den verheerenden Wellen wenig Widerstand entgegenzusetzen. Dementsprechend war das Trümmerfel im März auch überwältigend - aber heute gehört Otsuchi zu den Orten, die am meisten aufgeräumt sind. An einigen Orten wird bereits wieder planiert, um wahrscheinlich später einmal Industrie oder neue Häuser bauen zu können.

Rikuzentakata

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Für mich war der Anblick des Chaoses in der Nähe von Rikuzentakata (Karte, das Foto wurde bei Takekoma aufgenommen) wohl etwas vom schlimmsten während dem Einsatz im März. Wahrscheinlich lag das auch daran, dass wir an dieser Stelle, mehrere Kilometer vom Meer entfernt, auf keinen Fall mit solcher Verwüstung gerechnet hatten. Im Gegenteil, wir wählten damals eigentlich eine Strasse mehr im Inland, um der zerstörten Küstenstrasse auszuweichen. Dieses Mal kamen wir von der Küste her, wo, ähnlich wie Otsuchi, ein Grossteil der Stadt zerstört wurde. Wo einst eine blühende Stadt war, erobert nun das Meer das Land zurück, da der Damm ebenfalls zerstört wurde. Und es brauchte nun nur noch wenig, um sich vorzustellen, wie alle diese Häuser dem Fluss entlang ins Landesinnere gespült wurden.

Kesennuma

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Kesennuma (Karte) ist eine sehr hügelige Stadt, die sich über mehrere Buchten erstreckt. Demensprechend wurde nur ein Teil der Stadt, hauptsächlich Industrie, praktisch komplett ausgelöst, während ein anderer Teil nur überspült wurde oder gar nicht betroffen ist. Das führt zur Situation, dass Menschen nun täglich aus ihrem Fenster hinaus auf ein total verwüstetes Gebiet hinausblicken müssen. Aber sie werden noch viele Jahre mit diesen Narben im Stadtbild leben müssen und mit der konstanten Erinnerung, was damals geschehen ist.

Weitere Bilder

Auf verschiedenen Webseiten im Internet findet man ebenfalls eindrücklich vorher-nachher Bilder. Meines Erachtens eine der besten ist http://www.theatlantic.com/infocus/2011/09/japan-earthquake-six-months-later/100146/ Einen der Fotographen der Bilder habe ich damals in Kamaishi getroffen und anscheinend dieses Mal nur um einige Tage verpasst.

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