Erdbeben - zwischen Hilfe und Evakuierung

erdbeben_japan_devastationUnterdessen sind 5 Tage seit dem Erdbeben vergangen. Hier in Hokkaido, wo wir zwar die Beben spürten, aber kaum Schäden hatten, ist der Alltag, wenn auch verhalten, zurückgekehrt. Man hat den Eindruck, dass auf den Strassen weniger Verkehr vorhanden ist, dafür aber die Einkaufswägen im Supermarkt mehr gefüllt sind als vor dem Beben. Obwohl wir hier relativ sicher sind, ist man gedanklich immer wieder bei den Menschen, die von der Katastrophe direkt betroffen sind.

 

Lage im Erdbebengebiet

So langsam finden sich immer mehr Bilder aus dem Unglücksgebiet in den Medien (z.Bsp. auf The Big Picture). Es ist herzzerreissend, diese anzuschauen und nur vermuten zu können, wie viele Leichen darin noch verborgen sind. Doch während die primären Hilfsarbeiten leider zu einem Abschluss kommen, da kaum mehr lebende Menschen unter den Trümmern vermutet werden, harren noch immer Hunderttausende in Notunterkünften aus. Viele von ihnen ohne Strom oder Wasser und nur mit begrenzten Lebensmittelvorräten. Nach und nach werden Zufahrtsstrassen freigeräumt und Hilfsmittel können in die Region geschafft werden, aber es wird wahrscheinlich noch Tage dauern, bis alle erreicht werden und versorgt werden können. Derweil geht vielerorts das Benzin zu Ende und nur noch die Hilfskräfte können ihre Fahrzeuge betanken.

ÜMG-Mitarbeiter in Aomori, wenige hundert Kilometer nördlich von Sendai, schreiben:

Im Moment fällt es uns schwer, da es eine Situation wie im Wartezimmer eines Krankenhauses ist. Man kann nicht viel tun und weiß nicht, was kommt. Ich möchte, wenn möglich als Freiwilliger in den Krisengebieten mithelfen, aber zur Zeit ist dies noch nicht möglich. Zur Zeit sind Fachleute gefragt und da die Versorgung der 500 000 Leuten in den Notunterkünften noch nicht ganz im Griff ist, wäre man eine zusätzliche Belastung.

Wir können uns diesen Worten nur anschliessen.

Droht der atomare GAU?

Während vor allem in den deutschsprachigen Medien immer wieder der Super-GAU heraufbeschworen wird, präsentiert sich die Lage einiges nüchterner. Es gibt zwar massive Probleme in verschiedenen Reaktoren des am schlimmsten betroffenen AKW, aber ausserhalb der evakuierten Zone von 20 Kilometer Radius besteht gemäss verschiedenen Quellen keine Gefahr. Zwar wurden heute morgen erhöhte Werte unter anderem in den Vororten von Tokyo gemessen, doch diese Werte sind nicht gesundheitsschädigend. Des weiteren wurde vor wenigen Stunden bekannt, dass das zweite betroffene Kraftwerk plangemäss heruntergefahren werden konnte. Das heisst, es besteht keine Gefahr mehr für einen atomaren Unfall.

Wir selber hier in Sapporo sind rund 600 Kilometer nördlich der Kraftwerke und wären daher auch im schlimmsten Fall kaum betroffen. Auch die geplanten Stromunterbrüche in Tokyo und den nördlichen Gebieten werden uns nicht treffen, da es hier auf Hokkaido eine autarke Atomkraftversorgung hat.

Krisenstab der ÜMG gebildet

Die ÜMG Japan selber hat einen Krisenstab gebildet, der vor allem zwei Ziele verfolgt: Zum einen Vorbereitung zu einer allfälligen Evakuation von Mitarbeitern im und in der Nähe des Krisengebiets, zum anderen Vorabklärungen bezüglich konkreter Hilfeleistung (Mitteilung von ÜMG Schweiz).

Im Moment sind zwei Mitarbeiter vor Ort unterwegs, um abzuklären, wie man helfen kann. Des weiteren laufen Vorbereitungen, um gegebenenfalls Hilfsgüter ins Krisengebiet zu schaffen. Daneben bereiten wir uns hier in Sapporo darauf vor, evakuierte Kollegen beherbergen zu können und um Hilfsgüter zu lagern.

Viele dieser Vorbereitungen sind vorsorgend und hängen sehr stark mit der Entwicklung im Krisengebiet, vor allem bezüglich der atomaren Gefahr, zusammen. Sobald diese gebannt ist, werden wir aktiv werden können. Persönlich hilft es mir stark, zumindest diese Vorbereitungen zu machen. Es verringert das Gefühl, hilfslos zuschauen zu müssen.

Bitte betet mit uns weiter für die Menschen im betroffen Gebiet und unsere Leitung hier in Japan (Gebetsanliegen von OMF Japan auf Englisch). Besten Dank.

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